KEP Juli - Dezember 1994

Markt für Infopost wird für Private geöffnet

30.08.1994
Bundespostminister Dr. Wolfgang Bötsch (CSU) und Bundeswirtschaftsminister Dr. Günter Rexrodt (FDP) haben sich am 30. August 1994 geeinigt, den Markt für Infopost (früher: Massendrucksachen) ab 1. Januar 1995 für Private zu öffnen. Zunächst sollen die Lizenzen für Private auf Infopost oberhalb von 250 Gramm je Sendung beschränkt werden. Die ersten Lizenzen wird das Bundespostministerium noch in diesem Jahr vergeben.

Darüber hinaus bestand Einigkeit, dass die Bundesregierung 1995 die Voraussetzung schaffen wird, vom 1. Januar 1996 an Infopost oberhalb von 100 Gramm für den Wettbewerb freizugeben. Nach Angaben des Postministers bedeutet die Freigabe von Infopost mit mehr als 250 Gramm, dass rund 30 Prozent oder 850 Millionen DM des gegenwärtigen Infopostumsatzes der Deutschen Bundespost POSTDIENST in den Wettbewerb gehen.

Das Einheitsporto bleibt

23.12.1994
„Im Bundesministerium für Post und Telekommunikation wird nicht darüber nachgedacht, das einheitliche Porto für Postsendungen innerhalb Deutschlands aufzugeben.” Mit dieser Stellungnahme vom 23. Dezember 1994 wies das Ministerium entsprechende Pressemeldungen zurück.

Bundespostminister Wolfgang Bötsch erteilt erste Lizenzen für Beförderung von Massensendungen (Infopost)

29.12.1994
Am 29. Dezember 1994 erteilte der Bundespostminister 7 Antragstellern Lizenzen für die Beförderung von Infopost. Bis 31. Dezember 1994 folgten noch 4 weitere Lizenzen. Vom 1. Januar 1995 an können damit erstmals private Anbieter bei adressierten Massensendungen in Konkurrenz zur Deutschen Post AG treten.

Bei den ersten Lizenznehmern handelt es sich um kleine und mittelständische Unternehmen, von denen 3 bundesweit und 4 regional tätig werden wollen. Sie sind berechtigt, adressierte, inhaltsgleiche Sendungen mit einer Mindestmenge von 250 Stück je Absender und Auftrag sowie mit einem Einzelgewicht von mehr als 250 Gramm zu befördern. Die Mindestmenge reduziert sich auf 50 Stück, wenn es sich beim Absender um kommunale Gebietskörperschaften, gemeinnützige Vereine sowie Kirchen und anerkannte Religionsgemeinschaften handelt.

Die ersten Lizenzen erhielten:

  • Lizenz 001: Kurier- und Zustelldienst Linden-Schäfer, 41539 Dormagen, für die Stadtgebiete von Dormagen, Neuss und Grevenbroich,
  • Lizenz 002: Werbeagentur Janssen GmbH, 40233 Düsseldorf, für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland,
  • Lizenz 003: AFD Werbung GmbH, 64625 Bensheim, für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland,
  • Lizenz 004: EGRO GmbH, 63166 Obertshausen, für die Gebiete des Regierungsbezirkes Darmstadt, der Stadt und des Landkreises Aschaffenburg sowie des Landkreises Miltenberg,
  • Lizenz 005: Brune Druck- und Verlags-GmbH, 26361 Wilhelmshaven, für das Stadtgebiet Wilhelmshaven sowie die Landkreise Friesland und Wittmund,
  • Lizenz 006: HERMES Versand Service GmbH & Co, 22335 Hamburg, für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland,
  • Lizenz 007: Direkt-Kurier Zustell GmbH, 78467 Konstanz, für die Landkreise Bodenseekreis, Konstanz, Lörrach, Waldshut, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar-Kreis, Rottweil, Sigmaringen und Breisgau-Hochschwarzwald.

Aktiengesellschaften aus der Taufe gehoben

20.12.1994
Mit einem Festakt wurde am 20.Dezember 1994 in Köln die Deutsche Bundespost mit ihren Teilsondervermögen POSTDIENST, POSTBANK und TELEKOM in die unternehmerische Wettbewerbswirtschaft entlassen.

„Wir haben es uns als Gesetzgeber nicht leicht gemacht und die Deutsche Post AG, die Deutsche Postbank AG und die Deutsche Telekom AG einfach durch Gesetz geschaffen, sondern das ganz normale Gründungsverfahren durchlaufen lassen”, sagte Bundespostminister Dr. Wolfgang Bötsch in seiner Festrede.

So waren zunächst mit der Ausfertigung der Gründungsurkunden die neuen Aufsichtsräte bestellt worden. Die bereits mit der Postreform II (Postneuordnungsgesetz) ergangenen Satzungen wurden verlesen und vom Postminister ein Gründungsbericht abgegeben. Nach Überprüfung und Bestätigung der Ordnungsmäßigkeit der Gründungsunterlagen sowie der Bescheinigung der „Werthaltigkeit” durch die Vorstände, Aufsichtsräte und Gründungsprüfer wurde die Gründung der 3 Aktiengesellschaften, die bis zur Eintragung ins Handelsregister noch als Vorgesellschaften, also als „AG in Gründung”, firmieren, unter Aufsicht der Kölner Notarin Dr. Ingrid Doye förmlich vollzogen. Das Postneuordnungsgesetz selbst - Grundlage des Gründungsaktes - wird am 1. Januar 1995 gültiges Recht.

Aktiengesellschaften ins Handelsregister eingetragen

02.01.1995
Die Aktiengesellschaften Deutsche Post AG, Deutsche Postbank AG und Deutschen Telekom AG wurden am 2. Januar 1995 beim Amtsgericht Bonn in das Handelsregister eingetragen:

  • Deutsche Post AG unter HRB Nr. 6792,
  • Deutsche Postbank AG unter HRB Nr.6793,
  • Deutsche Telekom AG unter HRB Nr.6794.

Gute Brieflaufzeiten

Juli 1994
Über 86 Prozent der in Deutschland verschickten Briefe erreichen nach einem Tag ihre Empfänger. Nach 2 Tagen sind 98 Prozent am Ziel. Diese Werte wurden im Juli 1994 von der Hamburger Marktforschungsgesellschaft GFM-Polytechnic für den Testzeitraum April/Mai 1994 ermittelt.

Kooperationsvertrag zwischen Deutscher Bundespost POSTDIENST und Deutscher Bahn AG

05.08.1994
Die Deutsche Bundespost POSTDlENST und die Deutsche Bahn AG werden enger zusammenarbeiten. Die Vorstandsvorsitzenden Dr. Klaus Zumwinkel und Heinz Dürr unterzeichneten am 5. August 1994 in Frankfurt am Main einen Kooperationsvertrag mit dem Ziel, Frachtpost soweit wie möglich auf der Schiene zu befördern. Voraussetzung sind technische und organisatorische Lösungen, z.B. Bahn-Terminals für den „Kombinierten Ladungsverkehr” (KLV), also den Einsatz von Containern für den Einsatz auf Schiene und Straße.

Deutsche Bundespost POSTDIENST: Erhebliche Verbesserung der Ergebnisse in der Bilanz 1993

September 1994
Bei der Bilanzpressekonferenz berichtete POSTDIENST-Chef Dr. Klaus Zumwinkel von einem guten Ergebnis 1993: Die Erträge stiegen um 6,5 Prozent auf 27,8 Milliarden DM. Trotz weiterhin bestehender Strukturdefizite in den neuen Bundesländern konnte das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit für Gesamt-Deutschland um 58 Prozent auf 173 Millionen DM verbessert werden (Vorjahr - 410 Millionen DM).

Die Aufwendungen von 28 Milliarden DM sind weiter durch hohe Personalintensität geprägt. 75 Prozent oder 21 Milliarden DM der Aufwendungen sind Personalaufwand.

Nach Abzug der weiterhin umsatzbezogenen Ablieferung an den Bundeshaushalt in Höhe von 2,3 Milliarden DM wird für Gesamt-Deutschland ein Defizit von 2,47 Milliarden DM ausgewiesen (nach 2,62 Milliarden DM 1992). Die Eigenkapitalquote lag bei einer Bilanzsumme von 20,5 Milliarden DM zum 31. Dezember 1993 bei 33 Prozent. 1993 hat die Deutsche Bundespost POSTDIENST 1,9 Milliarden DM investiert. Davon entfiel ein großer Teil auf die Errichtung der neuen Frachtpostzentren.

In den neuen Bundesländern wurden Erträge von 2,4 Milliarden DM bei Aufwendungen von 3,6 Milliarden DM erzielt. Obwohl 20 Prozent der deutschen Bevölkerung in Ostdeutschland leben, konnte die Deutsche Bundespost POSTDIENST hier nur 8,6 Prozent ihrer Erträge erwirtschaften.

Frachtpostkonzept voll im Zeitplan / Brief 2000: Die Realisierungsphase beginnt

Dezember 1994
Das Frachtpostkonzept der Deutschen Bundespost POSTDIENST geht in die entscheidende Phase. Bis Mitte 1995 wird der POSTDIENST das modernste Frachtlogistik-System Europas termingerecht in Betrieb nehmen. Kern des Konzepts ist ein Verbundnetz von 33 neu errichteten baugleichen Frachtpostzentren. Ende 1994 waren bereits 21 Frachtpostzentren betriebsfertig am Netz.

Auch im Bereich Briefdienst errichtet die Deutsche Bundespost POSTDIENST mit dem Konzept Brief 2000 ein neues Logistiknetz. Bis zum Jahr 2000 werden 83 hochautomatisierte Briefzentren gebaut. Derzeit arbeiten 2 Pilotbriefzentren in Straubing und in Greven bei Münster.

Neue Geschäftsfelder für 30.000 Arbeitsplätze

Dezember 1994
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST will mittelfristig in neuen Geschäftsfeldern einen Umsatz von 5 Milliarden DM erzielen. Damit würden 30.000 neue Arbeitsplätze im POSTDIENST geschaffen.

Ein Erfolg versprechendes neues Geschäftsfeld sieht die Deutsche Bundespost POSTDIENST in der Hauspostbearbeitung bei großen Firmen (InHausPost). Hier übernimmt die Deutsche Bundespost POSTDIENST die interne Postbearbeitung eines Unternehmens im Eingang und Abgang.

Wechsel im Vorstand der Deutschen Bundespost POSTDIENST

Dezember 1994
Die Bundesregierung hat im Dezember 1994 Dr. Helmut Benno Staab (54) zum neuen Vorstandsmitglied der Deutschen Bundespost POSTDIENST, der künftigen Deutschen Post AG, bestellt. Staab übernimmt das Ressort Marketing Briefpost von Richard Wohlfart, der zum Jahresende in den Ruhestand geht. Staab ist seit 1968 bei der Post.

Neue Nomenklatur

31.12.1994
Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft ändern sich bei der künftigen Deutschen Post AG ab 1. Januar 1995 viele Organisations- und Funktionsbezeichnungen, Titel u.ä. So sind z.B. alle Bezeichnungen, die an die früheren hoheitlichen Aufgaben erinnern - alle Begriffe mit „Amt” - in einer AG fehl am Platz.

Die Einführung der Spartenorganisation zum 1. Januar 1996 macht bereits im Vorfeld die Konzentration von Aufgabenbereichen der Querschnitts- und Servicefunktionen notwendig. So wurden oder werden fachspezifische Zentren eingerichtet, z.B. (Abkürzung - Name der Zentren):

AEZ
Anwendungsentwicklungszentrum ASZ Arbeitsschutzzentrum
BIC
Bau- und Immobiliencenter
BBZ
Berufsbildungszentrum
BEZ
Besoldungszentrum
IDZ
lnformations- und Dokumentationszentrum
BSZ
IT-Betriebs- und Servicezentrum
KGZ
Kindergeldzuschlagszentrum
KTP
Kundentelefon Post
PPZ
Postphilateliezentrum
RBZ
Regionales Buchhaltungszentrum
REZ
Regionales Einkaufszentrum
RFZ
Regionales Fahrzeugzentrum
RRZ
Regionales Rechtszentrum
RVZ
Revisionszentrum
SBZ
Sozialbetreuungszentrum
STZ
Systemtechnikzentrum
UKZ
Umzugskostenzentrum
VSZ
Versorgungszentrum
ZBZ
Zentrales Beihilfezentrum
ZRZ
Zentrales Rechenzentrum
ZLP
Zentrallager Post
Nomenklatur
alt neu
Organisationseinheiten
Generaldirektion Deutsche Post AG Generaldirektion
Geschäftsbereich Geschäftsbereich
Fachbereich Abteilung
Fachgruppe Gruppe
Direktion Postdienst Deutsche Post AG Direktion ...
Abteilung Abteilung
Referat Gruppe
Postamt (V) Deutsche Post AG Niederlassung ...
Funktionsbezeichnungen und Titel
Titel
Mitglied des Vorstands Mitglied des Vorstands Vorstand
Geschäftsbereichsleiter Geschäftsbereichsleiter Direktor
Präsident Leiter der Direktion Präsident
Fachbereichsleiter Abteilungsleiter (Generaldirektion) *
Abteilungsleiter Direktion Abteilungsleiter Direktion ..., Leiter des Zentrums... *
Amtsvorsteher Leiter der Niederlassung Regionaldirektor *
Referatsleiter Direktion Gruppenleiter Direktion
* Beamte können auf Wunsch die Amtsbezeichnung angeben
Organisationsbegriffe
Verfügung Anweisung
Dienstvorschrift Anweisung
Dienstanweisung Anweisung
Amtsblatt Mitteilungsblatt
Amtskasse Niederlassungsbuchhaltung
Postamt Filiale... **
Amtsstelle Filiale... **
Poststelle Filiale... **
Postagentur Postagentur
** übergangsweise bis Ende 1995